Sonntag, 14. Mai 2017

Tag 16, 13.05.2017, von Capanori nach Valpromaro

13.05.2017, von Capanori  nach Valpromaro, 26 km


BnB Corte Capitano, in Capanori, 60,- Euro FeWo ÜF

Wir hätten es gestern bis Lucca nicht mehr geschafft, die nicht mehr vorhandene Pilger-Willkommens-Kultur in Ponte a Cappiano hat zumindest mir etwas zugesetzt. Dann sind wir auch das viele Asphalttreten nicht mehr gewöhnt. Seit Florenz habe ich jeden Tag eine Blase mehr. Den ganzen Franziskusweg entlang gab es diese Blasenprobleme überhaupt nicht. Auch keinen Rücken bei meinem Mann. Vorhin sollte ich mir seine Schultern ansehen, die Knochen wären angeblich vom Rucksack schon verbogen.
Jedenfalls entschieden wir uns in Altopascio, vor Lucca bereits zu stationieren und fanden auf booking.com das BnB in Capanori. Da man ja seitens des Anbieters clever ist und auf der Website immer die Bemerkung `nur noch ein Zimmer verfügbar´ einblendet, klickten wir auf `buchen`.
Das war ein Fehler, wie wir später von Lara, der Haushälterin, erfuhren, da viele BnBs einen Pilgersonderpreis anbieten oder sogar nur eine Donation verlangen. Zumal die Besitzerin gerade selbst in Assisi ist.
Wir fühlen uns wohl, können Waschmaschine und Küche benutzen, was will man mehr.


Als ich nach dem blog-Schreiben den Monitor auf die Terrakotte-Fliesen fallen lasse, stehen meinem Mann fast dieTränen in den Augen, aber zum Glück ist nichts passiert, der Trekstore ist robust.
Frühstück ist selfemade und wie ziehen wieder los, vieles kommt uns bekannt vor.
Straße, noch zwei Tage lang. So ist Lucca nach 6 km schnell erreicht und wir machen Cappuccinopause. Ich besichtige noch die Kirche San Frediano, lege den Pilgerpass vor und kann, ohne Eintritt zu bezahlen, die hübschen Fresken besichtigen.



Unterdessen hat mein Mann fürs Vesper eingekauft und wir verlassen durch eines der Stadttore Lucca. Viele Pilger kommen uns entgegen, zumeist Italiener. Es geht entspannt 7 km am Flussufer des Serchios entlang, wir machen Rast auf einer der vielen Bänke und haben gegen Mittag die Ponte San Pietro erreicht.





Jetzt wird es gut warm. Die Gelateria, die mein Mann noch im Kopf hatte, gibt es leider nicht mehr und so mundraubt er eben Schoten.


Kurz vor Piazzone gibt’s zwei Demutskilometer und im Dörfchen von einer Bewohnerin frisches Wasser.
Die letzten km zehren wie immer. Als wir Valpromaro erreichen, warnt ein Schild vor Schlangen und ich werde in Zukunft nur auf Bänken rasten.


Die Herberg ist genial, die Hospitaleros grandios. Es sind noch zwei weitere Paare hier, Joke und Frans aus Holland laufen ab Marsailles nach Rom und Anne und Michelle aus Frankreich sind in Vercelli gestartet. Italo aus Italien ist 77 Jahre alt und kann täglich nur 10 km laufen. Später kommt noch die Engländerin Kathrin mit ihrem vollgepackten Bike an. Der Wirbelwind ist von Bremerhaven aus gestartet und will bis runter nach Brindisi und weiter durch Griechenland. Sie hat gerade ihren Job verloren und viel Zeit. Heute kam sie von La Spezia her geradelt. Sie hat sich bei uns ein Zimmer mit einquartiert und freut sich riesig, dass hier die Hospitaleros für die Pilger kochen.




Zum Abendessen haben Roberto und Guiseppe Nudeln mit Schinken und Salat mit gekochten Eiern gemacht.



Jetzt läuft es ähnlich ab wie in der Bar in Biforco. Zwei einheimische Familien kommen dann auch noch dazu, kriegen einen Teller Nudeln und einer der Männer nimmt die rote Gitarre aus der Ecke und es werden abwechselnd italienische und französische Lieder geschmettert. Das junge Mädchen der Familie zeigt eine Pirouette und die Mama schnappt sich einen Hospitalero und beide schwingen das Tanzbein. Guiseppe macht jetzt einige Wochen Dienst in der Herberge, stammt eigentlich von Sizilien und als er uns verrät, dass er dort Polizist ist, fallen alle in ein schallendes Gelächter, hätte man doch das Gegenteil erwartet. Als es mir etwas zu bunt wird, helfe ich in der Küche beim Abwasch, Joke kommt hinzu und hilft. Italo flüchtet ebenfalls in Kühe, ihn nimmt das wohl emotional zu sehr mit, im stehen Tränen in den Augen. Mein Mann würde ja auch gern helfen, ist aber auf der Sitzbank zwischen der Französin und Crazy Cathi, wie ich sie nenne, der Pilgerin aus Manchester, eingeklemmt.
Danach bekommen alle eine Pilgerurkunde und dürfen Feedback zur VF geben.


Anne und Joke reklamieren das viele Straßengehen, Italo sagt auch noch etwas und als man sich nach den Unterkünften erkundigt, kann ich nicht anders und gebe schließlich auch noch meinen Senf dazu, lass Dampf ab zum angeblichen „Pilger“-Ostello in Ponte a Cappiano und mir ist egal, ob das Englisch grammatikalisch richtig ist, es sprudelt nur so aus mir heraus. Helfen wird es wahrscheinlich nichts, weil die Kommunen selbst entscheiden,  aber für die Pilger, die eigentlich dort hin wollten, ist es nützlich.
Nach Wein und Gesang ist gegen 22.00 Uhr Zapfenstreich und wir drei fallen in die unteren Etagen unserer Doppelstockbetten.



 Erkenntnis des Tages:  Nach Valpromaro zieht man gern.

Tagesvideo


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