Samstag, 6. Mai 2017

Tag 07, 04.05.2017 von Biforco nach Camaldoli



04.05.2017, von Biforco   nach Camaldoli, 26 km

BnB Silvia, Loc. Biforco, Nr. 18,  30,- Euro p.P. im DZ ÜF, 8,- Euro Abendessen p.P.

Graziano und Silvia musizieren gemeinsam in einer Dorfband und laden uns ein, nach dem Abendessen in die Bar zu kommen, wenn wir Lust haben, um ein bisschen zu zuhören.


Sie proben Frühlingslieder, mit denen man dann am Wochenenden mit den Kindern von Haus zu Haus zieht, singt und Süßigkeiten sammelt.

 

Gern folgen wir dem Angebot und machen uns gegen neun auf in die Bar. Hier ist bereits das halbe Dorf versammelt. Die Bar wirkt zwar nicht sehr einladend, ist aber Treffpunkt der Dorfbewohner und wie gesagt, Bar, Alimentari, Dorfgemeinschaftsraum und Post, alles in einem. Und jetzt beobachten wir das bunte Treiben. Zunächst wartet man auf Hans, der Bandleader, ein Deutscher, lebt seit 30 Jahren hier, ist Schulbusfahrer und spielt Tuba. Silvia ist die Saxophonistin, eine Freundin spielt Gitarre, die zweite Akkordeon. Graziano bedient nacheinander Beatbox, Klanghölzer und Flöte. Als dann der Klarinettist auftaucht, kanns los gehen. Hans gibt klare Anweisungen und nimmt seinen Job sehr ernst. Zunächst wird ihm erst einmal ein Glas Wein hingestellt. Uns so nach und nach bedient sich dann jeder mal hinter der Theke, und mir scheint, die einzigen, die ihre Zeche bezahlen, sind wir. Graziano macht sich ein Sandwich, die Freundinnen bekommen auch noch was zu trinken und Silvias Mama serviert ihrer Tochter einen Tee, bevor sie sich wieder ihrem Kreuzworträtsel zuwendet. Die Lieder klingen lustig und die Truppe musiziert sehr schön. Ein älterer Mann steht an der Bar und trinkt Espresso, wobei er sich den mit Schnaps auffüllt. Eine junge Frau bedient sich an der Eistruhe und zwei ältere sitzen auf der Ofenbank, singen und schunkeln kräftig mit.




Wir trinken Tee, denn es ist recht kalt hier drinnen. Als ich mal zur Toilette muss, zeigt mir eine der Älteren den Weg und macht Licht, denn der Lichtschalter ist hinterm Chips-Regal versteckt. So gegen zehn steht plötzlich ein 12jähriges Mädchen mit langen frisch gewaschenen feuchten Haaren im Hello-Kitty-Schlafanzug und mit Haarbürste in der Tür. Die Gitarristin ist offensichtlich die Mama und beide ziehen sich in eine Ecke zurück, die Kleine bekommt die Haare gebürstet und geflochten. Unterdessen hat sich der Mann an der Theke seinen dritten alkoholischen Espresso zubereitet und ein anderer holt sich die Post, setzt sich zu einer der Frauen auf der Ofenbank und nachdem sie wahrscheinlich ihre Rentenbescheide studiert haben, steht sie auf, geht zum Süßigkeitenregal und schnappt sich einen Marsriegel. Und niemand bezahlt, das scheint Gang und Gäbe zu sein.
Als Elsa-Zöpfchen schließlich schüchtern winkend den Selbstbedienungsladen verlässt, kehrt die Gitarristen zum Sextett zurück und es wird fröhlich weiter geprobt. Gegen elf machen sie dann Pause und wir ziehen uns zurück. Ich glaube, wenn wir uns ein Eis oder etwas Süßes genommen hätten ohne zu bezahlen, wäre das auch ok gewesen. Zwei Stunden waren wir Teil einer Dorfgemeinschaft, wie es sie wahrscheinlich nicht mehr allzu oft gibt. Aber unseren Tee haben wir bezahlt.
Heute morgen stehen wir um sechs auf, Sivia hat den Frühstückstisch noch gestern Abend gedeckt. Mit den typischen italienischen Kaffeemaschinen kennt sich mein Mann gut aus und wir frühstücken. Die Hausherrin schläft noch.

 
 BnB Silvia, Biforco Nr. 18


Gegen acht ziehen wir los. Eine halbe Stunde, dann beginnt es zu regnen. Da wir nicht wie geplant in Frassineta übernachteten, mussten wir etwas umplanen und nehmen zunächst bis dort hin den Camino di Assisi. Es geht schmale nasse Wiesenpfade bergauf.



In Frassineta sind wir unter dem Cape durchgeschwitzt. Aus Mangel an Einkehrmöglichkeiten, rasten wir auf einer kalten Bank hinter der Kirche, um wenigsten etwas windgeschützt zu sitze.

Dennoch, es herrscht ein eisiger Wind und wir ziehen bald weiter, nehmen Straße nach Badia Prataglia und in der kleinen Stadt müssen wir uns zunächst in einer Bar mit Zitronentee und einer warmen Suppe aufwärmen. Der Wirt macht den Kamin an und wir können unsere Sachen trocknen. Draußen wird es jetzt richtig ungemütlich, es scheint, als würde es gleich anfangen zu schneien.


Es nützt alles nichts, 400 m bergauf und 400 m bergab warten. Gegen sieben kommen wir dann schließlich in Camaldoli an.

 

 

 

 


Wir duschen lange und sehr heiß.Und weils mich immer noch fröstelt. duche ich gleich noch einmal.
Im Gastraum des Albergo hat man den Kamin angeworfen, es zieht uns ins Warme. Hier unten sitzen mit uns 10 Pilger, alles Deutsche. Zwei Allgäuerinnen planen so laut ihre morgige Strecke, dass wir jetzt alle wissen, welch tapfere Damen sie doch sind. Beide haben heute 1000 hm bergauf von Consuma nach Stia geschafft, weil sie hier bereits mittags ankamen, sind sie dann nochmals 1000 hm nach Camaldoli weiter gelaufen. Also, komme, was wolle, sie machen morgen wieder eine Doppeletappe und versuchen das für mich Unmögliche, sie laufen von Camaldoli nach La Verna. Draußen geht ein mächtiges Gewitter runter und es regnet in Strömen.
Buona Notte – Gute Nacht !


Erkenntnis des Tages:  Der Franziskusweg ist oft steinig und schwer!

Tagesvideo


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