Samstag, 4. Mai 2013

Tag 5, 04.05.2013, von Robbio nach Mortara, 15 km



Albergo Moderna in Robbio,  100.-  Ü DZ  mit VP

19.30 Uhr gibt es Abendeseen im Albergo. Das Zimmer ist recht klein und eng. Dafür ist die Wirtin Lidia ein Schatz. Sie bestätigt nochmals telefonisch unser Kommen in Mortara und will auch zwei Betten in der Casa della Carita in Pavia reservieren, die sind aber am Montag schon alle belegt, weil eine Gruppe übernachten will.
Das zum Albergo gehörende Restaurant ist sehr schön und ziemlich groß. Wir beide und ein junger Mann sind die einzigen Gäste, er scheint auch hier im Hotel zu wohnen und tut mir etwas leid, so allein an seinem  Tisch.
Eine Speisekarte gibt es nicht, Lidia serviert uns Dreien das Gleiche, Spaghetti und Risotto als Vorspeise, mehrere Fleischsorten gegrillt und Gemüse. Wir sind schon nach dem ersten Gang satt.
Die Reiskörner sind hier viel größer als die, welche ich von zu Hause kenne.
Als ich bemerke, dass die Wirtin mit dem jungen Mann englisch spricht, schaue ich etwas genauer hin und wir sehen, dass er den gleichen Wanderführer wie wir liegen hat. Vielleicht doch ein Gleichgesinnter ? Kurzentschlossen stehe ich auf, gehe zu seinem Tisch und frage ihn, er kommt mit und er nimmt an unserem Tisch  Platz.
 Es ist Markus, Justizvollzugsbeamter aus der Nähe von Passau. Er hat sieben Wochen Urlaub genehmigt bekommen und ist vor einigen Tagen in Aosta losgegangen, er möchte bis Rom laufen. Markus geht mindestens 40 km am Tag, heute ist er aber auch nur die etwa 20 km von Vercelli nach Robbio gelaufen, das nennt er Ruhetag. Morgen geht er bis Tromello.
Zum Nachtisch gibt es gehobelte Ananasscheiben mit Mintsoße und Erdbeeren.
 Es ist schon spät und wir hätten uns eigentlich noch viel zu erzählen, deshalb muss die Zeit genutzt werden, um  die wichtigsten Pilgerinformationen auszutauschen, Streckenführung, Kartenmaterial,  Unterkunfstipps,  Rucksackgewicht,  und die Marke der Socken.
Markus ist während seiner ersten vier Pilgertage nur im Regen gelaufen und hat daher vom Aostatal leider nicht viel gesehen, er hat sich auch an der gleichen Stelle verlaufen wie wir letztes Jahr.
Um halb 11 liegen wir dann in den Federn.
Das sind die Momente einer Pilgerfahrt, die so wertvoll und intensiv sind, weil man auf Gleichgesinnte trifft und in kurzer Zeit soviel  Austausch erfolgt.
Morgens klopft er um acht bei uns, er hat schon gefrühstückt und ist auf dem Sprung, gibt und seine Adresse und wir verabschieden uns mit einer Einladung seinerseits, doch mal in der JVA auf einen Cappuccino vorbeizuschauen.
Der junge Mann war übrigens auch schon in Santiago und hat jetzt den Vergleich zur Via Francigena, das hier ist ein wirkliches Abenteuer.
Lidia bereitet uns ein üppiges Frühstück und kocht sogar Eier, für die Übernachtung gibt es 10% Pilgerrabatt.
Wir starten bei Sonnenschein und laufen heute streng nach Karte und verlaufen uns. Weil ein Wegweiser im Straßengraben liegt und wir ihn  nicht sehen, geht es nochmal 1 km zurück. Dann wieder nur Reisfelder. Es gibt hunderte Sorten von Reis, die auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten ausgebracht werden, so sind einige Felder gerade bestellt, auf einigen sprießen schon kleine Pflanzen und wieder andere sind geflutet.
Wir erreichen das Dörfchen Nivorco, in dessen Kirche extra eine Stempelstelle für Santiago- und Rompilger eingerichtet wurde, denn es gibt einen Stempel mit Muschel und gekreuzten Schlüsseln. Man kann sich wieder ins Gästebuch eintragen und sehen, dass Markus auch hier war.
Gegen zwei betreten wir dann Mortara. Das ist schon eine etwas größere Stadt mit einem schönen gepflegten Zentrum. Und hurra, es gibt eine Gelateria, 26 Sorten Eis zähle ich.
Nach 20 Minuten ist die Abbazia di Sant Albino erreicht, nicht ohne vorher noch mal Zweifel an unserer heutigen Unterkunft aufkommen zu lassen und einen leicht Wunsch zu hegen, vielleicht doch lieber weiterzugehen. Ich lass mich gar nicht erst drauf ein.
Im Reiseführer steht nämlich, dass man sich mindesten 24 Stunden vorher anmelden soll, ansonsten gäbs eine wortgewaltige Strafpredigt vom Custode. Daran habe ich mich gehalten und jetzt wird hier übernachtet.
Der Custode empfängt uns am Eingang ohne Strafpredigt, sein Name ist Gigi. Er zeigt uns den Schlafsaal, in dem er zwei Feldbetten aufgestellt hat, bringt Wasser und zeigt Dusche und Toilette. Wir müssen uns noch ins Gästebuch eintrage, Personalausweis oder Pilgerpass will er nicht sehen, abstempeln darf den nämlich nur der Herr Pfarre,  und der kommt um fünf.
Franka, die gute Seele des Hauses kommt hinzu und erklärt uns, dass wir auch unsere Wäsche machen können, im Garten gibt es einen Trockenplatz.  Sie ist sehr hilfsbereit und will wissen, wohin es morgen geht, wir sollen doch in Gropello Cairoli in der Bar am Ortseingang uns den Schlüssel für die Parrocchia geben lassen, die Zimmer seien über der Bar, beim Pfarrer müssen wir nicht anrufen, der sei in Rom. Okay, machen wir.
Die Wäsche trocknet im Garten und ein großer freundlicher weißhaariger Mann kommt mit großen Schritten zu uns. Es ist der hiesige Pfarrer, wir folgen ihm in den Saal, in dem die Liegen stehe,  und er stempelt unsere Pilgerpässe ab, nicht ohne die nochmals durchzublättern. Er habe es eilig, denn um fünf sei eine Taufe in der Abbazia, wir können gern mit dazu kommen. Wir zeigen ihm auf dem Handy ein Foto unserer Enkelin und er ist begeistert und berichtet von seinem Enkel.
Danach setze ich mich brav in die letzte Bank und harre dem was da komme.
Ein kleiner Junge soll getauft werden. Die Eltern kommen, offensichtlich in ihren Hochzeitsoutfits mit dem Kind herein, dass ungefähr 8 Monate alt ist. Danach läuft hier eine Modenschau ab, aufgestylte Schönheiten betreten die Kirche,  mit bunten kurzen Kleidern und Higheels wie sie höher nicht sein könnten.  Die Zeremonie geht ungefähr 20 Minuten. Der Kleine schläft.  Nachdem das Kind auf den Namen Lorenzo  getauft ist, hält der Herr Pfarrer den Kleinen hoch, um ihn der Gemeinde zu zeigen, die Zuschauer applaudieren laut und rufen „ah“.  Zwischendurch gehen auch mal ein paar Leute raus und einige kommen rein.  So eine Taufe habe ich noch nicht erlebt. Mein Mann, der mit dem elektronischen Equipment im Garten sitzt, beobachtet die Schönheiten wie sie mit ihren Schuhen über die Wiese stolzieren. Die ganze Zeremonie wird per Lautsprecher in den Garten übertragen.
Es ist wunderschön hier, und leider gibt es nur selten solche Unterkünfte, alles ist sauber und recht locker, man ist auf Pilger eingestellt.  Seit dem 6 Jahrhundert besteht die Abbazia und war seither eine wichtige Zwischenstation für Pilger, schön dass man sich nach wie vor darauf besinnt.
Franka hat unser Abendessen zubereitet, es gibt Nudeln,  Hühnchen, Salat, Äpfel und eine Flasche Rotwein. Wir sitzen in dem großen Schlafsaal, der eine Tür direkt zur Kirche hat und lassen es uns schmecken. Morgen ist gibt es dann 6.30 Frühstück.  Sogar Wifi gibt es und wir können heute Abend von unseren Feldbetten aus auf dem Netbook DSDS verfolgen. Was will man mehr.

Erkenntnis des Tage:  Die einfachen Dinge machen das Leben schön.




Markus aus der Nähe von Passau

Wege zwischen den Reisfeldern (Kerstin ganz weit vorn)

2 Kommentare:

  1. Hallo Ihr zwei,
    da ist sie ja, die Sonne. Ich gönne sie Euch von Herzen. Alles was Ihr schreibt, hört sich gut an. Nette Menschen, lecker Essen und Trinken, ein sauberes Bett. Was will man mehr. Jetzt bin ich ohne Sorge und wünsche Euch gutes Vorankommen.... natürlich mit guter Laune.
    Eure Alke-Brigitte

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  2. Gruß an die Pilger !
    Fast eine Woche vorbei, meist nur Reisfelder und die Freude über die einfachen, schönen Dinge. Sieht so aus als ob Ihr noch ne Weile durchhaltet. Wetter scheint sich ja nun endlich zu bessern - habt Ihr euch verdient. Wünsche noch viele schöne Erlebnisse und Eindrücke sowie einen guten Start in die 2. Woche.
    Volker

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