Mittwoch, 17. Juni 2026

31.05.2026 Bagneres-de-Bigorre - Lourdes, 8km (zu Fuss)

 

Wir sitzen in einer Bar am Platz. Heute ist Markttag, so richtige Lust will und will nicht aufkommen.

Auch meinem Mann ist mittlerweile alles ein bisschen zu viel. Man wird halt nicht jünger. Eigentlich war unser hochgestecktes Ziel Oloron St. Marie. Jetzt, wo wir beide Rentner sind, gibt es den Zeitdruck ja nicht mehr. Wir buchen die Rückfahrkarten und statt zwei drei Tage in Lourdes. Keine so gute Idee.

Hier angekommen, macht auch diese Stadt nicht den saubersten Eindruck. Am Eingang zum Platz der Basilika werden unsere Rucksäcke kontrolliert. Mir ist das hier alles etwas befremdlich. Es ist ebend nicht Rom und schon gar nicht Assisi. Die ursprüngliche Pilgerherberge wird nicht mehr betrieben. Wir haben in einem Gästehaus ein Doppelzimmer gebucht, winzig, Duschen auf dem Gang, alt, das Personal zwar nett, aber das Haus gewöhnungsbedürftig, vor allem der Geruch. Das Gute, der kurze Weg zum Heiligtum. Wir beobachten die Zeremonie der abendlichen Prozession. Die Menschenmassen halten sich in Grenzen, die Anlage ist sehr gepflegt, weitläufig, aber nicht Rom. Eine Straße mit Souvenirladen an Souvenirladen. Wir freuen uns auf zu Hause morgen.


Erkenntnis des Tages : Auch Pilger altern.

30.05.2026 Bourg-de-Bigorre - Bagneres-de-Bigorre, 23km

 

Der Wetterbericht hatte Abkühlung vorher gesagt. Eigentlich will man hier nicht weg. Um sieben erwarte uns ein außergewöhnliches französisches le petit dejeneur. Kleine Pfannkuchen, Apfelmus, Marmeladen, Käse, verschiedene Brote, Joghurt, Saft... . Herrlich ! Dennoch sind wir bezeiten auf den Beinen, wir planen, über die Abbaye de l' Escaladieu zu gehen und Straße zu nehmen, die anderen den ausgeschilderten Weg über den Col des Palomieres, aber ein 900 m hoher Anstieg ist und zu viel. Zunächst erreichen wir auch zügig die Abbaye, sind bereits um 9.00 Uhr dort, um 10.00 öffnet sie. Gerade als wir nach ein paar Fotos weite r gehen wollen, kommt die nette Kassiererin angefahren und erlaubt uns, kostenlos vor der Öffnungszeit, das alte Zistersienserkloster zu besichtigen. Eine Stunde zieht die Ausstellung uns in ihren Bann. Es nieselt leicht, es geht Asphaltstraße begauf, stetig bergauf. Mehrmals wechsle ich das T-Shirt durchgeschwitzt. Die Straße zieht sich, eine Abwechslung bietet kurz die Überquerung eine Kuhherde, und später die Rast an einer Kapelle. Als wir in Bagneres-de-Bigorre ankommen, stehen wieder 22 km auf dem Tacho. Das Eingangsschild lockt zwar mit dem Label einer Blumenstadt, davon sehen wir aber nichts. Allerdings lassen die alten herrschaftlichen Stadtvillen, heute allerdings lieblos erhaltenen, Stadtvillen erahnen, dass wegen der Therme hier mal ein wohl auch touristisches Leben geherrscht haben musste. Vielleicht ist unsere Wahrnehmung an diesem Nachmittag auch eine andere, die schmerzenden Knochen, das Wetter, und meist liegen die Herbergen auch nicht gerade in den vornehmen Stadtvierteln. Die Pilgerherberge ist schnell gefunden, die Begrüßung herzlich, die Zimmer in Ordnung, die Duschen grenzwertig. Wir sind müde und kaputt. In der Stadt gibt es viele Restaurants. Wir essen Gallete, im Fensterbrett liegen Fliegen. Meine Stimmung kippt. Wir beschließen,-morgen Bus und Zug nach Lourdes zu nehmen.




29.05.2026 Lannemezan - Capvern - Bourg-de-Bigorre, 14km (zu Fuss)

 

Der Hausherr füllt uns morgens noch die Wasserflaschen und sperrt das Tor auf. Wir stapfen zurück in die Stadt, nehmen den ersten Bus und fahren ins ca 5 km entfernte Capvern, in der einzigen Boulangerie am Platz frühstücken wir und kaufen ein paar Lebensmittel ein. Wenn man die Orte hier entlang des Weges genauer ansieht, erscheinen viele Häuser verlassen und verfallen, es gibt kaum noch Geschäfte, die Menschen fahren in die Supermärkte an die Peripherie der größeren Städte, geschweige denn eine Bar oder ein Restaurant. Das ist für Pilger schon eine Herausforderung. Du musst immer etwas Proviant und Wasser im Rucksack haben. Was allerdings jeder noch so kleine Ort hat, eine Mairie, oft geschlossen, aber zumindest eine Bank davor und manchmal auch eine Wasserstelle. Heute sind es nicht allzuviel km bis zum Tagesziel und vor allem nicht soviel Höhenmeter. Es geht auf kleinen Asphaltsträßchen durch kleine Weiler mit weidenden Kühen und man hat immer den über 2.000 m hohen Pic du Midi de Bigorre vor sich. Es ist wieder sehr warm, dennoch geht es gut voran und am Campingplatz Le Moulin des Baronnies gibt es ne Pause. Die Gite hier war leider ausgebucht und wir mussten uns bei der Planung eine andre Unterkunft suchen. Dennoch gönnen wir uns Eis plus Cola und vertragen das auch gut. Bald erreichen wir das winzige Dörfchen Bourg-de-Bigorre und La Caminade, unsere heutige Unterkunft, was für eine hübsche Gite und was für nette Gastgeber. Wir haben einen kleinen Rulotte, der etwas abseits des Haupthauses auf einer Wiese steht, genießen die Dusche, leider mangels Badesachen, den Pool nicht und abends gibt’s ein gemeinsames Abendessen mit drei Gängen, selbstgemachte Quiche mit Salat, Hähnchen mit Kürbismouse, und zum Dessert Choclatecookies. Ir sind acht Fuß- und zwei Radpilger, und eine Französin kann gut deutsch und wir kommen angenehm ins Gespräch. Was für ein herrlicher Wandertag.


Erkenntnis des Tages : Ein Pilgertag wie man sich ihn wünscht.




28.05.2026 Barbazan - Lannemezan, 8,5km

 

Was für ein Tag, gut begann er, Silvie, die Vermieterin, arbeitet in Montrejeau, von dort geht ein Zug nach Lannemezan und von hier ein Bus nach Lortet. So dass wir heute nicht bei der Hitze über die Berge müssen. Die nette Gastgeberin arbeitet als Musiklehrerin an der Musikschule in Montrejeau, sie nimmt uns morgens mit. Wir testen mal wieder französiche Verkehrsmittel und sind erstaunt über Pünktlichkeit und Preise. Anscheinend kostet hier jede Busfahrt, egal wohin, 2,- Euro. In Lortet angekommen geht’s nochmal zwei km leicht bergauf in den Ort. Uns kommen zwei französische Pärchen völlig fertig

entgegen. Sie haben tatsächlich die Strecke über die Berge unter die Füße genommen. Wie froh sind wir, dass wir heute die Pilgerherberge in Lortet gebucht haben. Die finden wir auch schnell und ein Schild Accueil Pelerin grüßt am Eingang. Doch als wir um das Haus gehen und einen geöffneten Eingang zu den Pilgerzimmern entdecken, überkommt uns Ekel, schock schwere Not, was für eine Kaschemme. Schleht reherchiert ? Die bietet auf booking auch Zimmer im Haus an, ein Blick durch verdreckte Fenster, lässt allerdings erahnen, dass es drinnen auch nicht besser aussieht. Zwei versiffte Doppelstockbetten, ein Wäschehaufen, vergammelte Bananen und vertrocknetes Brot auf dem Tisch, irgendetwas Undefinierbares im Kühlschrank. Ich texte die Vermieterin an, in der Hoffnung, dass es die falsche Unterkunft ist und schicke Fotos mit, als diese bestätigt und einlädt, es uns doch schon einmal gemütlich zu machen, verschwinden wir und checken Unterkünfte in der Nähe, da gibt’s aber nichts bezahlbares. In Lannemezan, von wo aus wir heute morgen kamen, gibt’s noch ein Doppelzimmer außerhalb der Stadt für 40,- Euro. Also wieder zwei km bis zum Bus, zwei Stunden warten, und in L. nochmal zwei km bis zur Unterkunft. Ein älteres Ehepaar, ein altes jedoch sauberes Zimmer, ordentliche Betten und saubere

Dusche. Auf jeder Etappe ist einmal der Wurm drin. Die Stimmung im Keller. Die zwei Stunden an der Haltestelle nutzen wir, um den morgigen Tag zu planen. Wir müssen sehr früh los.


Erkenntnis des Tages: Mal wieder zu genau falsch geplant.


26.05.2026 Juzet-d'Izaut - Barbanzan 19 km

 

Um sieben Frühstück im Pilgerzimmer, selfmade, Kaffeemaschine, Brot, Milch im Kühlschrank, Marmelade.

Gegenüber eine Boulangerie, Croissants, Baguette al Proviant. Die junge Französin geht nach uns los, die beiden Profipilger sind bereits los. Kurz hinter Juzet muss man sich entscheiden, weiter Straße langsam bergauf, dafür länger oder Wanderweg, steil, dafür kürzer. Die Wahl nimmt uns das Paar von gestern am Col ab, während sie freundlich grüßt, muffelt er wieder nur, da hat mein Mann schnell entschieden, die nehmen Wanderweg, als nehmen wir Straße. Und es zieht sich und zieht sich und zieht sich. Laufend wechseln wir die Straßenseiten, um im Schatten gehen zu können. Am Col endlich angekommen, gibt es dort oben einen hübshen Campingplatz mit Restaurant. Ferme. Nur am Weekend offen, erklärt uns der junge Mann und nach Bitten und Betteln verkauft er uns wenigstens zwei Cola, die sind im Nu hinuntergelaufen. Herrlich. Kurz darauf geht es einen Waldweg hinab nach Saint-Pe-d' Ardet, steinig, ich komme nur langsam voran, obwohl im Schatten, blendet die Sonne. Im Dorf gibt’s ne Kneipe, wir verlangen Cola und Wasser mit Gas und mischen es, null komma nix getrunken. Wir checken die Busverbindungen, 36 Grad. Langsam schleppen wir uns bis Ore, das ist nicht weit und ab hier gibt’s eine Bus nach Barbazan. Am liebsten wülrde ich mich irgendwo in den Schatten legen und liegen bleiben. An der Kirche gibt’s eine Bank im Schatten, ich leg mich drauf und rühre mich nicht. Wir brauchen dringend eine Pause, obwohl wir ja erst zwei Tage nach dem Pausentag unterwegs sind. An der Bushatestelle schicke ich meinen Mann ins gegenüberliegende Autohaus Wasser holen. In Barbazan schließlich geht’s nochmal schattenlos ca einen Kilometer sanft bergauf. Die Gite ist schön und modern, wir haben das Ferienhaus allein und ich frag, ob wir einen Tag länger bleiben dürfen, das Wort Kaputt versteht man, glaube ich, auf jeder Sprache. Die Wirtin ist nett und macht einem angenehmen Preis, und in Anbetracht eines fehlenden Supermarktes fährt sie meinen Mann ins nächste Dorf, super. Morgen gibt’s nen Ruhetag, der Ventilator steht nicht still.


27.05.2026 Barbazan


man geht heute nicht in die Berge , wir sitzen die Hitze aus.





25.05.2026 St. Lary - Juzet-d' Izaut 20 km zu Fuß über den Col de Portet d' Aspet, 7 km Auto

Wir starten beizeiten, denn es geht heute über einen der Cols auf der Voi Piemont. Und es wird heiß, ungewöhnlich warm für diese Jahreszeit und Region. Der Start lässt sich gut an, es ist Pfingstmontag, die Straße bis nach Portet -d' Aspet lä,uft sich gut, mystisch anmutende bemooste Laubbäume. Das kleine Dörfchen ist schnell erreicht, verschlafen wirkt es und man hat geht vom Departement Ariege ins Departement Haute Garonne.

Wir marschieren eine Kurve nah der anderen und Port- d Aspet wird immer kleiner, und jetzt kann man auch wieder die schneebedeckten Gipfel erkennen. Wir befinden uns halt mitten in den französischen Pyrenäen. Nach etwa zwei Stunden erreichen wir den Col, Radler und Motorradfahrer sind auch hier, den angekündigten Campingplatz allerdings mit Bar suchen wir erst mal vergeblich, setzen uns auf eine schattige Bank unter einem Baum und lassen uns von einem Biker vorm Gipfelschild fotografieren, Beweis ist Beweis. Da kommt uch schon recht zügig ein weiterer Pilger anmarschiert, diesmal muss ich ein Gipfelfoto von ihm schießen. Wir vepern gemeinsam und er berichtet, dass er schon fast alle französischen, spanischen und portugiesischen Caminos gepilgert ist. Henry ist 81 und kommt aus Orleans, und ist fit, Respekt. Nicht lange kommt ein weiterer Pilger herauf, mann erkennt sie immer an der Muschel am Rucksack, und kurz danach ein Paar, mit einer Holzmuschel an den Rucksäcken, die machen keine Pause, grüßen auch nicht und er schaut auch ziemlich grimmig. Meinem Mann wird’s jetzt zu blöd und mit fünf Pilgern zu viel. Wir ziehen langsam weiter, Henry ist uns bereits weit voraus. Klar, jetzt geht’s lange bergab, Rennradler kommen uns freundlich grüßend entgegen, Motorradfahrer knattern an uns vorbei. Das Monument eines 1995 hier verunglückten italienischen Tour de France Radlers ist beeindruckend, seit dem Unfall wurde übrigens die Helmpflicht eingefordert. Es ist heiß, das Wasser geht zur Neige, ich bleib hier, um den Parkplatz fürs eventuelle Trampen zu nutzen, ein Wagen hält, allerdings erklären uns die Männer, dass sie Angler sind und gar nicht in unsere Richtung fahren, öffnen aber kurzerhand den Kofferraum und holen geben uns aus ihrer Kühlbox eine große Flasche Wasser. Zweimal strecke ich noch den Daumen raus, vergeblich, wir ziehen weiter bis wir eine Brücke überqueren und jetzt hält doch tatsächlich ein Pärchen und nimmt uns bis Juzet mit. Er wandert selbst oft in den Bergen und kennt das, Hitze, Asphalt , Höhenmeter. Die Auberge in Juzet ist super, die Wirten spitze, taff, und obwohl mein Mann immer angibt, kein Französich zu sprechen, versteht er wohl ihre Frage nach dem Pilgerzimmer oder einem Chambre und antwortet prompt. Das Zimmer ist schlicht aber sauber. Duschen, Ruhen, 19.30 Pilgermenü im Gastraum. Perfekt. Man kann zwischen drei Hauptgerichten zu je 15,- Euro wählen und vielen Desserts. Mittlerweile-sind wir zu fünft. Henry, der Franzose, der einzelne Mann vom Col, Italiener, wir beiden und eine junge Französin. Sie installiert meinem Mann die CaminoApp und es wird ein trotz dreier gesprochener Sprachen wirklich angenehmer Pilgerabend. Die Wirtin stempelt die Pilgerpässe und erklärt uns den Ablauf des petit de jeneurs. Nach dem Essen verschwinden alle schnell in den Schlafsäcken.


St.Lary
Berg hoch !



am Col
Denkmal


angekommen in Juzet



Sonntag, 24. Mai 2026

 23.05.2026 Castillon-en-Couserans - Saint-Lary  (20 km Bus)

 

Zum Glück ist heute Samstag, da gibt’s einen Bus direkt nach St. Lary. So lassen wir's ruhig angehen, denn er fährt erst kurz vor eins. In der einzigen Bar am Platz gibt’s Cafe au lait, neben an im Dorf-Carrefour Proviant für die nächsten zwei Tage. Der Bus ist pünktlich und bringt uns hinauf bis nach St. Lary. Und was für ein hübsches Dörfchen, sauber, gepflegt, Ausgangspunkt für Wanderungen in den französischen Pyrenäen, Bikerstopp, mit einer Auberge Logis de France, die neben Hotelzimmer auch zwei kleine Studios hat, und eines davon beziehen wir für zwei Tage, Ruhetag mit Waschmaschine. Duschen, Waschen, Kochen, Essen, Schlafen, Rundgang durchs Örtchen, einen Kaffee und Eis. Und blog schreiben. 


 


So, 24. Mai Ruhetag in St. Lary

Frohe Pfingsten